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Donnerstag, 30. Oktober 2014

Von Weimar nach Wien - Ein Vergleich zwischen Akademiesystem und künstlerischem Projektstudium



Nach mehreren Semestern als Studentin der Freien Kunst in Weimar entschied ich mich für ein Auslandssemester an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Meine frühere Wahl ein Projektstudium in Weimar zu absolvieren, war damals genauso bewusst getroffen, wie diejenige, nach Wien zu gehen. Die Lehrsysteme Projektstudium und Akademiesystem unterscheiden sich grundsätzlich in ihrem strukturellen Aufbau. In ihrer praktischen Anwendung verschwimmen allerdings oftmals gewisse Merkmale. Deshalb möchte ich in diesem Artikel versuchen, die Vor- und Nachteile der beiden Systeme aus meiner persönlichen Sicht zu erläutern.



Bauhaus-Universität Weimar





Der Bauhaus-Gedanke der frühen 20er Jahre, „Kunst und Technik“ interdisziplinär zu verbinden, ist die Basis der Weimarer Universitätsstruktur. Prinzipiell ist es Studenten erlaubt, nicht nur Projekte in anderen Studiengängen, sondern auch an anderen Fakultäten der Bauhaus-Universität zu absolvieren. Dies empfehle ich besonders medial nicht festgelegten Studenten, denn es ist der einfachste Weg, sich fächerübergreifendes Wissen anzueignen, sich neu zu orientieren, den künstlerischen Horizont zu erweitern und fachfremde Arbeitsweisen kennen zu lernen.

Logischerweise muss aber ein Großteil der erbrachten Studienleistungen im eigenen Fach erfolgen. Bei der praktischen Umsetzung gibt es meistens fakultätsintern keine Probleme mit der Anrechnung. Leider kann dies aber bei fakultätsübergreifenden Projekten vorkommen und soll deshalb im Voraus mit der Studienberatung abgeklärt werden. Des Weiteren scheitern oft Versuche, fakultätsübergreifende Projekte anzubieten, an organisatorischen Hürden. Allerdings ist es mir in meinem eigenen Studiengang bereits erlaubt, jedes Semester eigenständig meine/n Professor/in zu wechseln und somit unterschiedliche Arbeitskonzepte kennen zu lernen.
Semperdepot

Dies ist der grundlegende Unterschied zum Akademiesystem. Hier werden nicht jedes Semester neue Projekte angeboten, sondern es gibt festgelegte, an Professorenpersönlichkeiten gebundene Fachklassen und Meisterschülerstudiengänge. Dies spiegelt sich bereits im Bewerbungsprozess wider. Während eine Bewerbung im projektbasierten Lehrsystem zentral erfolgt, richtet sie sich bei den meisten Akademien direkt an den Lehrenden der gewünschten Klasse. Das hat natürlich zur Folge, dass nur eine oder wenige Personen über die Zulassung des Studenten entscheiden. Dazu kann ich aus Erfahrung sagen, dass eine Absage oftmals nicht viel über die künstlerische Eignung des Bewerbers aussagt, sondern auf dem künstlerischen Standpunkt eines Professors/ einer Professorin beruht.

Es kann sein also sein, dass man einfach nicht in ein bestimmtes System passt. Die Klasse kann zwar nach der Aufnahme auch gewechselt werden, allerdings erst nach persönlichen Gesprächen mit den Lehrenden. Die Möglichkeit als Gast dem Unterricht beizuwohnen, existiert aber eigentlich immer. Grundsätzlich sind die Klassen medial festgelegt, aber auch hier gibt es immer wieder Abweichungen von der Norm, wie beispielsweise Performance-Künstler in der Klasse für Digitale Medien.

Akademie der bildenden Künste Wien
Das Akademiesystem wird generell oft als veraltet, zu starr und hierarchisch kritisiert. Ich denke aber, dass es für Studenten von Vorteil sein kann, die bereits medial sehr festgelegt sind. In einer reinen Malerklasse bekommt man natürlich nicht nur konzeptuelles, sondern auch technik-spezifisches Feedback.
Des Weiteren kann die Bindung an einen Lehrenden, mit dem man sehr gut arbeiten kann, auch fruchtbarer sein, als viele unterschiedliche Meinungen. Für mich persönlich war allerdings im Rückblick auf meine studentische Laufbahn die Entscheidung, projektbasiert zu studieren, genau richtig.
In den verschiedenen Phasen meiner künstlerischen Entwicklung habe ich unterschiedliche Lehrer benötigt, die ich ohne viel Aufwand selbst wählen konnte. Außerdem war es mir möglich, meine vielseitigen medialen Interessen zu verfolgen und zu vertiefen. Das erfordert zwar definitiv Eigeninitiative, ist aber auch sehr spannend. Meine abschließende Empfehlung an euch ist: Redet mit Studenten, die das studieren wofür ihr euch interessiert. Seid euch aber gleichzeitig darüber klar, dass ihr vielleicht mit einem Lehrenden, über den jemand anderes in höchsten Tönen schwärmt, absolut nicht klar kommt. Versucht deshalb, eure zukünftigen Professoren persönlich kennen zu lernen und euer gewünschtes Projekt/eure gewünschte Klasse als Gast zu besuchen, um euch ein eigenes Urteil zu bilden.
Text u. Bild: von Judith Rautenberg, 9. Fachsemester Freie Kunst

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